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Zettergren zwischen den Zeilen

Mann mit orangem Bart geht entlang des Seeufers am Bodensee

René Descartes hat gesagt: "Ich denke, also bin ich." Ich sage: "Ich schreibe, also bin ich." Ich heisse Niclas Zettergren, bin 23 Jahre alt und arbeite derzeit bei der Aargauer Zeitung. Den Weg in den Journalismus habe ich gewählt, weil ich Menschen informieren, orientieren und berühren möchte. Gute Geschichten können mehr als nur unterhalten – sie schaffen Verständnis, wecken Emotionen und geben Halt in einer komplexen Welt. Meine grösste Leidenschaft ist der Sport – sei es das Krafttraining, das ich mit Disziplin selbst ausübe, oder das Eishockey, das ich mit analytischem Blick und echter Begeisterung verfolge. ​Mein beruflicher Weg führte mich zunächst in ein anderes Feld: Von 2018 bis 2021 absolvierte ich eine Ausbildung zum Fachmann Betreuung EFZ. Danach folgte 2022 die Rekrutenschule mit anschliessender Unteroffiziersschule und Abverdienen als Infanterieunteroffizier. 2023 wagte ich den Einstieg in den Journalismus – bei ArgoviaToday und Radio Argovia. In dieser Zeit sammelte ich erste redaktionelle Erfahrungen, produzierte eigene Beiträge, war trimedial unterwegs und lernte, Verantwortung in einem dynamischen Medienumfeld zu übernehmen. Seit März 2025 bin ich Stagiaire bei CH Media, wo ich meine journalistische Arbeit vertiefe und weiter professionalisiere. ​ Ich bin nicht zufällig hier gelandet. Ich habe den Schritt in die Medienwelt bewusst gemacht – mit dem Ziel, eines Tages in der Sportredaktion zu arbeiten. Dort, wo Spiele zu Geschichten werden, Emotionen in Sprache weiterleben und aus Leidenschaft Berufung wird.

Ein Einblick in meine tägliche Arbeit

Ich arbeite seit Anfang 2025 bei CH Media und berichte seither über verschiedenste Themen für die Aargauer Zeitung und die bz Basel. Nachfolgend findest du eine Auswahl meiner veröffentlichten Artikel.

Viel Spass beim Lesen!

Aus urheberrechtlichen Gründen sind bei einigen Beiträgen auf dieser Website nicht alle Bilder und grafischen Elemente enthalten. In meinem Autorenprofil findest du die Originalartikel in ihrer vollständigen Darstellung sowie weitere spannende – mal kritische, mal humorvolle – Beiträge von mir.

«Wir wollen einen Mehrwert bieten»: Basellandsezene im Porträt

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Ein Kanal, der nicht provoziert, sondern inspiriert. Timon Sommer kuratiert auf Social Media Inhalte, die informieren und verbinden. Die Wirkung geht über die Bildschirme hinaus.

Die Schweiz ist ein kleines Land mit grosser Vielfalt. Kaum irgendwo sonst ist der Kantönligeist so ausgeprägt: eigene Dialekte, regionale Eigenheiten, eigene Mentalitäten. Was viele Kantone in Zeiten von Social Media jedoch verbindet, ist ein eigener «Szene isch …»-Account. Ob Aargau, Bern, Basel-Stadt oder Zürich – das Prinzip ist meist dasselbe: Videos von Menschen, denen in der Öffentlichkeit Missgeschicke passieren, die sich daneben benehmen oder bei denen sich sonstige Kuriositäten abspielen, werden ins Netz gestellt, tausendfach geklickt und kommentiert. Humorvolle oder informative Inhalte, bei denen sich die Protagonistinnen und Protagonisten freiwillig in Szene setzen, sind dabei eher die Ausnahme. Auch aus dem Baselbiet gibt es einen Account, der mit «BasellandSzene» zumindest vom Namen her an die bekannten «Szene isch …»-Seiten erinnert. Doch ein Klick auf das Profil genügt, um festzustellen, dass hier andere Inhalte im Vordergrund stehen. Von Tipps für Wanderwege im Baselbiet über Eindrücke verschiedener Fasnachtsveranstaltungen bis hin zu Gemeindevergleichen oder Oden und Anekdoten über das Baselbiet: Der Account bietet einen breit gefächerten Themenmix, der bewusst die positiven Seiten des Kantons und die Menschen dahinter ins Zentrum rückt. Ein Medium für die Jugend «Basellandszene heisst nur so, weil es ein Begriff ist, den junge Leute kennen», sagt der Content-Creator Timon Sommer, der vielen von Social Media als «TimiTime» bekannt sein dürfte. Von Inhalten, wie sie auf anderen Szene-Kanälen gezeigt werden, hält er nicht viel. «Uns ist wichtig, dass wir nicht mit den anderen Szene-Accounts in Verbindung gebracht werden, denn wir versuchen, den Menschen im Kanton Baselland einen Mehrwert zu bieten», ergänzt der 20-Jährige, der den Kanal vor ein paar Jahren lanciert hat. Seit 2024 hat Timon Sommer sein eigenes Medienhaus.Bild: Virally Sommer arbeitet Vollzeit als Content-Creator, Basellandszene ist nur eines von vielen Projekten. Die Medienwelt begeistert den gebürtigen Frenkendörfer seit Kindesbeinen. Schon früh war er deshalb auch der Ansicht, dass das bestehende Angebot an Regionalmedien die Lebenswelt junger Menschen nur geringfügig abbildet. Vor einigen Jahren entschied er sich daher, selbst aktiv zu werden, und startete Basellandszene auf Instagram und TikTok, wo er den Kanal zunächst nebenbei betreute. Heute folgen dem Kanal allein auf Instagram über 6000 Personen. Die Beiträge – meist kurze Reels oder Bildstrecken – erreichten in den letzten Tagen über 430'000 Aufrufe von über 120'000 Usern. Verändert hat sich in der Zwischenzeit auch die Organisation hinter dem Projekt: Um den Account kümmert sich Sommer längst nicht mehr allein. Mit dem Social-Media-Unternehmen VIRALLY, das er vor rund zwei Jahren gründete und das auf Beratung sowie die Produktion von Social-Media-Kampagnen spezialisiert ist, steht mittlerweile ein ganzes Team hinter Basellandszene. Die Personen, die bei der Themenauswahl involviert sind, stammen ebenfalls alle aus dem Baselbiet. Dadurch entstehen bei den Themensitzungen jeweils schnell Ideen für neue Inhalte. Auch ältere Zuschauer werden erreicht Häufig kommen auch Anregungen und Wünsche aus der Community, die Sommer und sein Team nach Möglichkeit umsetzen. «Momentan gehen wir auf die Baselbieter Fasnachtskultur ein und arbeiten mit verschiedenen Fasnachtsevents zusammen», sagt Sommer. Das Zielpublikum sind vorwiegend Menschen aus dem eigenen Kanton. Wer denkt, dass die Zuschauenden ausschliesslich aus der Generation Z stammen, liegt jedoch falsch. Zwar seien viele Konsumentinnen und Konsumenten der Videos zwischen 13 und 22 Jahre alt, ein grosser Teil befinde sich aber auch zwischen 30 und 40. Entsprechend liege das Durchschnittsalter des Publikums bei etwa 25 Jahren. Damit habe Sommer nicht gerechnet. «Ich habe gedacht, dass es viel jünger sein wird», gesteht der Content-Creator. Dass die Videos bei den 30- bis 40-Jährigen gut ankommen, überrascht ihn jedoch weniger. Obschon diese Generation stärker mit klassischen Medien wie Radio und Fernsehen aufgewachsen ist, sei auch ein grosser Teil von ihr in den sozialen Medien unterwegs. «Wenn man dort die Möglichkeit hat, etwas über seinen Heimatkanton zu erfahren, lehnt man das wahrscheinlich nicht ab», sagt Sommer. Die Zukunft ist digital Generell ist er der Meinung, dass soziale Medien in vielen Bereichen immer wichtiger werden – auch für klassische Medien. Wenn er deren Inhalte konsumiert, dann fast ausschliesslich über soziale Plattformen. Bei vielen sieht er folglich «Luft nach oben». Das Problem seien oft festgefahrene Strukturen oder fehlende Ressourcen. Vieles werde zudem mit einer bestimmten Brille betrachtet. Stattdessen müsse in dieser Hinsicht von Grund auf neu gedacht werden, ist der Baselbieter überzeugt. Mit Blick auf die SRG-Initiative ist Sommer deshalb der Ansicht, dass es nicht Zeit für eine Halbierung, sondern für eine Reform ist. Denn glaubwürdige Informationen seien für eine Demokratie von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig betont er: «Medien müssen so gemacht werden, dass sie in der Lebenswelt der Jungen verfügbar sind.» Von der Medienpolitik zurück zu Timon Sommers Wirken: Ideen für weitere Formate auf Basellandszene gebe es zahlreiche. Unter anderem kann sich Sommer vorstellen, künftig – etwa im Umfeld von Wahlen – auch regionalpolitische Themen auf dem Kanal abzubilden. In welcher Form und in welchem Umfang, sei noch unklar. «Etwas Posititves zu bewirken ist etwas vom Schönsten» Auf die Vergangenheit angesprochen, blickt Sommer besonders gerne auf das Format «Für e suubers Lieschtel» zurück. Ziel war es, die Bevölkerung auf eine Anti-Littering-Kampagne in der Kantonshauptstadt aufmerksam zu machen. Dafür besuchte Sommer unter anderem Hauswarte, um aufzuzeigen, wie viel Müll tatsächlich achtlos auf dem Boden liegen bleibt. Die Videos seien nicht nur gut geklickt worden, sondern hätten auch in der realen Welt positive Auswirkungen gezeigt. «Beispielsweise haben uns Leute Videos geschickt, wie sie Abfall zusammenräumen, nachdem sie das Video gesehen haben», sagt der 20-Jährige und ergänzt: «Wenn man bei den Leuten etwas Positives bewirken kann, ist das etwas vom Schönsten.»

«Der Bevölkerungsschutz ist für mich eine Lebensaufgabe»

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Der Einfränkler auf dem Tisch, die Verantwortung auf den Schultern: Christof Brügger übergibt das Kommando der Baselbieter Zivilschutzkompanie im Raum Bubendorf. Doch wie viel Ruhe ihm bleibt, ist noch offen.

Zivilschutzanlage Bubendorf – ein Ort, der für Christof Brügger jahrelang das Zentrum seines Tuns war. Er tritt ein, so selbstverständlich wie in sein eigenes Wohnzimmer. Der bald 65-Jährige, ein Optimist, der in jeder Situation das Positive sucht, spricht ruhig und bedacht, erklärt ausführlich. Dass die 28 Jahre als Kommandant – die meisten davon hauptberuflich – für ihn mehr waren als nur ein Amt, spürt man in jedem Satz. «Der Bevölkerungsschutz ist für mich eine Lebensaufgabe», sagt Brügger. An den Tag, als er die Rolle des Kommandanten übernahm, kann er sich gut erinnern. Damals hatte noch jedes Dorf eine Zivilschutzorganisation – die Kommandanten wurden damals als Ortschefs bezeichnet. Bereits ein Jahr vor der offiziellen Amtseinführung durfte er die Zivilschutzorganisation Lausen interimistisch führen. Ein kleines Stück dieses ersten Tages hat ihn über all die Jahre hinweg begleitet. «Ich war mir von Anfang an der grossen Verantwortung gegenüber dem Steuerfranken bewusst», sagt Brügger. Er ging mit zwei 50-Rappen-Münzen zur Gemeindeverwaltung und tauschte sie gegen einen Einfränkler ein. Diese Münze wurde für ihn zum Symbol des «Steuerfrankens». «Wir tragen sowohl Verantwortung für das Wohlergehen und die Sicherheit der Bevölkerung, als auch für die Steuergelder», sagt Brügger. Bei jeder Budget-Sitzung legte er den Einfränkler sichtbar auf den Tisch. Die Welt und der Zivilschutz haben sich verändert Seine ersten Diensttage als Zivilschützer leistete Brügger in den 1980er-Jahren nach seiner Ausbildung zum technischen Modellbauer. Ihm war schon nach kurzer Zeit klar, dass er in diesem Bereich mehr Verantwortung übernehmen möchte. Heute trägt er einen reichen Rucksack an Erfahrungen. Einige Einsätze haben sich besonders tief in sein Gedächtnis eingeprägt, besonders jener von 2005. Der Alpennordhang wurde von einem schweren Hochwasser mit Überschwemmungen, Erdrutschen und grossen Schäden heimgesucht. Sämtliche Baselbieter Zivilschutzkompanien leisteten im Kanton Nidwalden Intensiveinsätze, um der Bevölkerung zu helfen, ihre Lebensgrundlage wiederaufzubauen. «Wir waren dort ganz nah bei den Menschen und ihren Sorgen. Das hat mich als Mensch sehr berührt», sagt Brügger. Während er in über 40 Jahren verschiedene Aufgaben übernommen hat, hat sich auch der Zivilschutz an sich verändert. Der Zivilschutz entstand in den 1960er-Jahren während des Kalten Krieges – mit dem Ziel, die Zivilbevölkerung im Ernstfall durch Schutzräume und flächendeckende Schutzmassnahmen zu sichern. Nach dessen Ende und mit der Reform von 1995 wurde der Auftrag neu ausgerichtet: Statt des Schutzes vor kriegsbedingten Gefahren rückte die Katastrophenbewältigung in den Hauptfokus. Das führte dazu, dass nicht mehr in jedem Dorf eine eigene Zivilschutzorganisation nötig war und zahlreiche Zivilschutzanlagen aufgegeben wurden. So entstanden Verbände wie «Argus», dem heute 18 Gemeinden wie beispielsweise Bubendorf, Ziefen und Lampenberg angehören. An Brüggers ersten Rapporten sassen neben ihm noch 83 weitere Ortschefs in der Halle. Heute sind es noch acht – eine Gruppe, die an einem einzigen Tisch Platz hat. Brügger hofft, dass es bei Verbänden in dieser Grösse bleibt. Denn: «Ab einem bestimmten Punkt verliert der Zivilschutz sein grosses Gut: den direkten Bezug zum Dorf und seinen Einwohnern.» Kommandoübergabe innerhalb der Familie Ohne schwarzmalen zu wollen, gesteht Brügger, dass ihm mit Blick auf die Zukunft einige Dinge Sorgen bereiten. Etwa personelle Engpässe, mangelhafte Strategien in der Schutzraumbewirtschaftung und die Einsatzfähigkeit im ursprünglichen Szenario, auf dem der Zivilschutz aufgebaut wurde. Herausforderungen, mit denen sich auch sein Nachfolger, der ebenfalls Brügger heisst, auseinandersetzen wird. Die offizielle Kommandoübergabe fand Ende November statt. Der Name ist kein Zufall, denn der «Argus»-Kommandant ab 2026 ist sein Sohn Florian. «Das ist als Vater ein sehr schönes Gefühl», sagt Christof Brügger. Er betont dabei mehrfach, dass er weder beim Auswahlverfahren seine Finger im Spiel gehabt hat, und auch seinen Sohn nicht beeinflusst hat, dieses Amt zu übernehmen. Bloss, weil Christof Brügger das Kommando und den symbolhaften Steuerfranken übergeben hat, heisst das nicht, dass er sich zurücklehnt und die Rente geniesst. Er wird mindestens für ein Jahr noch als Leiter Anlagen, Material und Transport (AMT) tätig sein. «Zurück auf der Stufe, auf der ich 1983 angefangen habe.» Ganz ohne Zivilschutz geht es nicht Wie es danach weitergeht, weiss Brügger noch nicht. Zwar hat er andere Interessen – etwa die Fotografie oder das Pflegen und Fahren seines alten «Döschwos». Doch er geht davon aus, dass er über das Pensionsalter hinaus weiterhin intensiv im Zivilschutz engagiert bleiben wird. Beispielsweise im regionalen Führungsstab. «Mein grösstes Hobby, das ich einst zum Beruf gemacht habe, mache ich wieder zum Hobby», sagt Brügger und schmunzelt.

«Die Chemie stimmt, das hilft sicher»

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Das Schweizer Ruderteam mit dem Döttinger Samuel Widmer sticht bald für die Pazifik-Challenge in See. Ein neuerlicher Sieg soll her.

Monterey, Kalifornien – der Startpunkt der Pazifik-Challenge, neben der Atlantik-Challenge das härteste Ruderrennen der Welt. Von der malerischen amerikanischen Küstenstadt aus führt die 4444 Kilometer lange Strecke über den mittleren Pazifik bis nach Hawaii. Dieser extremen Herausforderung stellen sich vier Männer aus dem Team Swiss Raw: Yassin Boussena, Ingvar Groza, Jan Hurni und Samuel Widmer aus Döttingen. Letztere drei wissen bereits, wie es sich anfühlt, mehrere 1000 Kilometer auf offener See zu rudern. Im Jahr 2022 gelang es den Schweizer Ruderern, die Talisker Whisky Atlantic Challenge zu gewinnen. Lediglich 35 Tage brauchte das Schweizer Team, um die über 5000 Kilometer zwischen La Gomera auf den Kanarischen Inseln und Antigua zu überwinden. Das zweitplatzierte Team traf rund einen Tag später ein. Mit dieser eindrücklichen Leistung schrieb sich Swiss Raw als erstes Siegerteam aus einem Binnenland in die Geschichtsbücher dieses Wettkampfs ein. Diese Erfahrung sei eine schöne Erinnerung, aber nur bis zu einem gewissen Punkt hilfreich. «Natürlich ist es gut, dass wir die administrativen Abläufe besser kennen und wissen, was für ein Niveau es braucht. Das gibt schon Sicherheit. Grundsätzlich haben wir uns aber so vorbereitet, als wäre es unser erstes Rennen», erklärt Samuel Widmer. Drei Jahre hartes Training Rund 10 bis 15 Stunden pro Woche haben die Ruderer in Krafttraining, Einheiten auf dem Ergometer und das Rudern auf dem See investiert. Aktuell erledigt Widmer noch letzte unaufschiebbare Aufgaben zu Hause und bei der Arbeit – denn Ende Mai bricht die Mannschaft nach Übersee auf, um sich zu akklimatisieren und die letzten Trainingseinheiten zu absolvieren, bevor sie am 7. Juni offiziell in See sticht. Das Ziel von «Swiss Raw» ist klar definiert: Ein neuer Sieg soll her. Auf die Frage, was Widmer und sein Team siegessicher macht, sagt der Zurzibieter gelassen: «nichts». Und fügt an: «Wir haben alles vorbereitet, was wir können, und sind bereit, alles dafür zu tun, dass wir unser Ziel erreichen. Wir wissen aber schlicht und einfach nicht, wie es herauskommen wird. Auf dem Meer kann sehr viel Unerwartetes passieren», so Samuel Widmer. Schlafen im Schichtbetrieb Passieren tut auf so einer Überfahrt sowieso viel. Die vier Schweizer leben während des Rennens auf ihrem rund acht Meter langen Boot auf engstem Raum zusammen. Die Tage sind durchgetaktet. Der Ruderbetrieb findet während des Rennens im Tandembetrieb statt. Zwei Stunden wird gerudert und zwei Stunden wird geruht. Die Zeit zwischen den Schichten wird für Essen, Navigation, Waschen und die Bootswartung verwendet. Es erklärt sich von selbst, dass eine solche Mission einem alles abverlangt. «Es braucht natürlich sehr viel Disziplin. Aber wenn man seine Komfortzone verlässt und plötzlich muss, dann ist auf einmal sehr viel möglich», sagt Widmer. Beim letzten Mal verlor er 17 Kilo Gewicht Wie körperlich belastend der Alltag während eines solchen Rennens ist, zeigen allein schon die nackten Zahlen. Rund 1,4 Millionen Ruderschläge rudert jedes Team und etwa 50’000 Kalorien verbrennt jeder Ruderer pro Woche. Während der Atlantik-Challenge vor drei Jahren verlor der Döttinger rund 17 Kilogramm Körpergewicht. Von einem ähnlichen Gewichtsverlust ist auch dieses Jahr auszugehen. Sobald die Ruderer die amerikanische Westküste verlassen haben, dürfen sie ausserdem keine Hilfe von aussen annehmen. Die vier Männer sind komplett auf sich allein gestellt und müssen stets als Einheit funktionieren. «Wir kennen uns alle sehr gut, und die Chemie zwischen uns stimmt. Das hilft sicher», so der 30-Jährige. Sightseeing zwischen den Ruderschlägen Nebst der Müdigkeit und den anderen körperlichen Strapazen gebe es aber durchaus auch Momente, in denen man geniessen kann. «Je nachdem, in welcher Verfassung man sich gerade befindet», relativiert Widmer und schmunzelt. Demzufolge freut er sich darauf, gelegentlich schöne Eindrücke von der Natur und der Tierwelt aufzusaugen. Der grösste Freudenmoment dürfte jedoch die Zieleinfahrt sein, wie der Zurzibieter weiter erzählt. Eine konkrete Zeit hat das Vierergespann nicht im Kopf. «So schnell wie möglich», lautet die Devise. Und wie schon bei der letzten Challenge sammeln die vier Männer auch dieses Jahr Geld für einen guten Zweck. Den Erlös aus der Pazifiküberquerung spenden sie der Umweltorganisation Ocean Care mit Sitz im zürcherischen Wädenswil.

«Ich will an die Weltspitze» – Neuenhofer Profi-Boxer greift nach den Sternen

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Der 24-jährige Neuenhofer prescht in der Box-Welt steil nach oben. Seine ersten beiden Profi-Kämpfe konnte er für sich entscheiden. Der dritte steht kurz bevor.

Wenn Nemanja Cekic über das Boxen spricht, dann merkt man schnell: Boxen ist für ihn nicht bloss ein Sport, sondern sein Leben. Der 24-jährige gebürtige Neuenhofer wirkt in seinen Aussagen sehr überlegt. Dennoch dringt seine Leidenschaft für den Sport in jedem Satz hervor. Das Gespräch findet im American Boxing Gym in Regensdorf statt – einem Ort, an dem Nemanja Cekic einen grossen Teil seiner Zeit verbringt. Denn ausser am Sonntag steht für ihn täglich Training auf dem Programm. Viel Raum für anderes bleibt da nicht. Sein Leben ist ganz auf den Sport ausgerichtet. Auf Dinge wie Ausgang, ausgelassene Feiern oder auch mal etwas Ungesundes zu essen oder zu trinken verzichtet der Aargauer weitgehend. Cekic verfolgt ein klares Ziel: «Ich will an die Weltspitze. Das ist ein lebenslanger Traum», sagt er. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung machte er im vergangenen Jahr: Cekic nahm an der europaweiten Castingshow «Gym Wars» in Deutschland teil, bei der ein Profivertrag in Aussicht gestellt wurde. Aus über 500 Bewerbern wurde er zu den besten 80 eingeladen und durfte sich vor einer hochkarätigen Jury mit Boxlegenden wie dem Amerikaner Roy Jones Jr., dem Deutschen Arthur Abraham und weiteren Grössen der Szene beweisen. Zwei Tage lang wurden sowohl die Fitness als auch die technischen Fähigkeiten der Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft. Cekic wusste zu überzeugen und sicherte sich im anschliessenden Turnier den Sieg in der Mittelgewichtsklasse und damit seinen ersten Profivertrag. Der Weg nach oben Mittlerweile hat er bereits seine zwei ersten Profikämpfe hinter sich – seinen ersten in Wien und seinen zweiten im vergangenen Monat im Zürcher Hallenstadion vor rund 3000 Fans. Beide Male verliess er den Ring als Sieger, wobei er den zweiten Kampf sogar durch K. o. gewann. Vor grossem Publikum zu kämpfen ist für den Neuenhofer nichts Neues. Dennoch gibt es einige Änderungen im Vergleich zum Amateurbereich. «Die Kämpfe dauern länger. Mindestens vier Runden», erklärt Cekic. Als Profi steht man zudem deutlich seltener im Ring, dafür ist die gesamte Vorbereitung auf einen einzigen Auftritt ausgerichtet. Der nächste steht bereits fest: Am Boxing Day, dem 28. Juni in Bülach, gehört Cekic zu den fünf geladenen Profis. Der 24-Jährige zeigt sich optimistisch, dass er auch in seinem dritten Profikampf siegen wird. «Die Vorbereitung ist sehr gut verlaufen und ich fühle mich mental bereit», bilanziert er. Kampfsport begleitet den jungen Mann schon seit Kindesbeinen. Von Karate bis Thaiboxen hat Nemanja Cekic verschiedene Disziplinen ausprobiert. Doch sein Herz – und vor allem seine Fäuste hat er vor einigen Jahren dem Boxen verschrieben. Einer, der ihn damals dazu motivierte, war sein Vater, selbst ein grosser Fan des Sports. Dessen Onkel – also Cekics Grossonkel – sei ebenfalls Boxer gewesen, erzählt er. Für seinen Vater sei dieser wie ein grosser Bruder gewesen, bis er in jungen Jahren verstarb. Vor rund vier Jahren, kurz nachdem Cekic den endgültigen Schritt zum Boxen gemacht hatte, kam sein Vater ums Leben. «Er ist heute noch ein grosser Antrieb für mich. Ich trage ihn immer im Herzen», sagt der Aargauer. Die Entscheidung für den Sport war für ihn auch eine Entscheidung für ein Leben mit Risiko und Verzicht: Er kündigte damals seinen Job, um sich ganz dem Boxen zu widmen – drei Jahre lang verfolgte er diesen Weg kompromisslos. Seit kurzem ist er nun selbst Vater. Um seine junge Familie zu unterstützen, arbeitet er derzeit wieder nebenbei als Monteur. Doch der Traum bleibt: Bald, so hofft Cekic, soll er wieder vollzeitlich vom Boxen leben können. Der Kampf neben dem Ring Boxer und Kampfsportler generell haben es in der Schweiz nicht einfach. Von den Löhnen und dem Ansehen, welche die Stars der Super-League geniessen, können die meisten nur träumen. Cekic betont zudem: «Es fehlt in der Schweiz an Förderung.» Als Boxer müsse man folglich sehr vieles allein machen und jeden einzelnen Schritt selber finanzieren. Selbst im Nationalteam müssen viele Kosten aus eigener Tasche bezahlt werden, etwa die Reisen zu Wettkämpfen. «Das kann sich gerade als Jugendlicher nicht jeder leisten», betont Cekic. Er ist überzeugt: Wären die finanziellen Anreize grösser, würden sich deutlich mehr junge Boxer motiviert fühlen, den Sprung ins Nationalkader zu wagen. Er zieht den Vergleich zum serbischen Nationalkader. Dort werden alle vom Staat finanziell unterstützt und haben einen vollen Lohn, wie Cekic, der selbst serbische Wurzeln hat, erklärt. Die Bedingungen seien so folglich viel optimaler, um breitflächig Fortschritte im Sport erzielen zu können. Boxen wird zum Trend Gleichzeitig haben in der Schweiz noch nie so viele Menschen geboxt wie heute – allerdings im Rahmen des sogenannten Fitnessboxens, um sich fit zu halten. Der Gegner ist dabei nicht ein anderer Kämpfer, sondern der innere Schweinehund. Geschlagen wird lediglich auf einen Sandsack. Selbst Bundesrätin Karin Keller-Sutter nutzt diese Form des Boxens, um Stress abzubauen. Mit dem, was Nemanja Cekic im Ring leistet, hat das allerdings nur wenig gemeinsam. Der 24-Jährige sieht diese Entwicklung dennoch als positiv: «Umso populärer und angesehener eine Sportart wird, umso eher wird sie auch gefördert.» Dass sich mehr Menschen mit dem Box-Sport befassen, sieht er ausserdem als Chance, negative Klischees aus dem Weg zu räumen. Ihm zufolge haben viele ein schlechtes Bild von Boxern. «Das ist sehr schade», findet Cekic. Gerade Jugendlichen könne das Boxen helfen, ihre Probleme in den Griff zu bekommen – insbesondere jenen, die viel Energie in sich tragen. «So können sie ihre Energie sinnvoll rauslassen, statt Blödsinn zu machen», sagt er. Das habe er auch bei sich selbst erlebt: Mit 15 Jahren begann er, ernsthaft und diszipliniert zu trainieren. «Es hat mich viel ausgeglichener und ruhiger gemacht», so Cekic. Früher hatte er selbst Vorbilder, an denen er sich orientieren konnte. Heute ist er für manche Jugendliche genau das geworden. Wenn er in seiner Heimat Neuenhof unterwegs ist, spürt er, dass einige zu ihm aufschauen, sich von seinem Werdegang inspirieren lassen und zum Teil sogar selbst mit dem Boxen begonnen haben. «Es ist ein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass man andere motivieren kann», sagt der Neuenhofer. Er beschreibt sich selbst als diszipliniert und ehrgeizig – Werte, die er heute gerne weitergeben möchte.

SVP Baselland fordert Amtszeitbeschränkung für Regierungsräte

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Der Kanton Baselland kennt eine Amtszeitbeschränkung für seine Landrätinnen und Landräte, nicht aber für Regierungsmitglieder. SVP-Landrat Markus Graf will das ändern. Auch fordert er, dass Ständerätinnen und Ständeräte nicht länger als 16 Jahre in Bundesbern politisieren dürfen.

Aus der SVP-Fraktion im Landrat kommen zwei Vorstösse, die im Baselbiet noch einiges zu reden geben dürften: Die beiden Motionen fordern eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren für Mitglieder der Baselbieter Regierung sowie eine Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren für Ständerätinnen und Ständeräte, wobei allfällige vorherige Amtsdauern im Nationalrat angerechnet werden sollen. Der Kanton Baselland kennt – wie übrigens auch der Nachbar Basel-Stadt – für Kantonsparlamentarierinnen und -parlamentarier bereits eine Amtszeitguillotine von 16 Jahren. Den stetigen personellen Wechsel sieht der Urheber der Motionen und SVP-Fraktionschef Markus Graf als eine Bereicherung für die Baselbieter Politik. «Neue Leute bringen immer neue Ideen», findet Graf. Für solche Amtszeitbeschränkungen ist eine Änderung der Kantonsverfassung nötig - hierzu hat im Baselbiet abschliessend das Volk das letzte Wort. Nachlässigkeit nach langjähriger Tätigkeit Offensichtlich hat Markus Graf mit seinen Vorstössen die aktuelle Deputation in der Kantonsregierung sowie im nationalen Parlament vor Augen: Von der aktuellen fünf Mitgliedern der Regierung sind zwei – Bau- und Umweltschutzdirektor Isaac Reber (Grüne, seit 2011) und Anton Lauber (Mitte, seit 2013) bereits länger als die im Vorstoss geforderten zwölf Jahre im Amt. Es sei zwar gut, wenn Regierungsmitglieder mit ihren Dienstjahren Erfahrungen sammeln könnten. Diese seien für das Amt wertvoll. Zwölf Jahre seien aber genug, findet Graf. Ohne auf Details einzugehen, sagt er: «In der Vergangenheit hat man bei gewissen Regierungsmitgliedern Abnutzungserscheinungen feststellen können.» Ähnliche Erfahrungen habe er auch in Vereinen und Verbänden gemacht. «Wenn jemand zu lange im Amt bleibt, erzeugt das manchmal ein Vakuum», so Graf. Ausserdem müssten dadurch jüngere Nachfolgende länger warten, bis sie zum Zug kommen. Eine Amtszeitbeschränkung würde den Sesselkleber-Effekt vermeiden, die Regierung könnte schneller auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren, da neue Perspektiven in kürzeren Intervallen eingebracht werden, argumentiert Graf weiter. Zudem können Regierungsräte ihre Projekte gezielt auf das Ende ihrer Amtszeit planen. «Eine Amtszeitbeschränkung hätte für die zukünftige Entwicklung des Kantons Baselland einen positiven Einfluss», ist der Landrat aus Maisprach überzeugt. Keine kantonale Regelung für Nationalräte möglich Die Baselbieter Ständerätin Maya Graf (Grüne) ist zwar «erst» seit 2019 Vertreterin des Landkantons im Stöckli, sie politisiert aber bereits seit 2001 im Bundesparlament und ist damit – über die beiden Kammern kumuliert – aktuell die amtsälteste Parlamentarierin überhaupt. Auch Grafs Vorgänger Claude Janiak (SP) politisierte, National- und Ständerat zusammengenommen, rund 20 Jahre in Bern. Zur Amtszeitbeschränkung für Bundespolitiker gibt es eine juristische Spitzfindigkeit: Beim Ständerat als kantonaler Vertretung regeln die Kantone die Wählbarkeit von Kandidierenden. Im Nachbarkanton Jura können die Mitglieder des Ständerats beispielsweise lediglich zweimal nacheinander wiedergewählt werden. Eine Amtszeitbeschränkung fürs Stöckli ist daher durchaus möglich. Anders ist es für Nationalrätinnen und Nationalräte: Auf nationaler Ebene gibt es keine Begrenzungen für Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Da die Nationalratswahlen durch das nationale Recht geregelt sind, ist keine isolierte Baselbieter Regelung möglich. Für eine Amtszeitbeschränkung für Nationalrätinnen und Nationalräte wäre eine Änderung der Bundesverfassung nötig. Baselbieter Nationalrat hält nicht viel von Amtszeitbeschränkungen Auch die Baselbieter Vertretung im Nationalrat zeichnet sich durch auffallende Kontinuität aus: Von den sieben Parlamentariern sind aktuell vier bereits länger als 14 Jahre im Amt, so Eric Nussbaumer (SP, seit 2007), Elisabeth Schneider-Schneiter (Mitte, seit 2010), Thomas de Courten (SVP) und Daniela Schneeberger (FDP, beide seit 2011). Bei den Wahlen 2027 zeichnet sich kein grundlegender Generationenwechsel ab, wie diese Zeitung jüngst berichtet hat. Zudem wählt die Baselbieter Stimmbevölkerung ihre Nationalrätinnen und Nationalräte wie auch ihre Ständerätinnen oder den Ständerat kaum ab. Doch selbst in der SVP scheinen nicht alle von den Vorstössen begeistert zu sein: Eine generelle Amtszeitbeschränkung für Ständeräte hält etwa SVP-Nationalrat Thomas de Courten nicht für sinnvoll. «Das müsste schon gut begründet sein», sagt er. Wenn jemand die Bevölkerung durch gute Arbeit zu überzeugen vermag, spiele die Amtszeit ohnehin keine Rolle. Gerade im parlamentarischen Umfeld auf nationaler Ebene sei eine langjährige Erfahrung sehr viel wert. Ausserdem: «soll der Entscheid beim Volk liegen», sagt er weiter. Auch wenn die angesprochenen Regierungsmitglieder und die Ständerätin direkt kaum mehr von einer Amtszeitbeschränkung betroffen sein werden, weil sie bis zu einer allfälligen Inkraftsetzung doch noch zurückgetreten sind: Die Vorstösse des SVP-Landrats werden angesichts der vielen langjährigen Exekutiv- und Legislativmitglieder aus dem Baselbiet eine Debatte über den Wert von Erfahrung und Beständigkeit, aber auch jenen von Erneuerung und Innovation in Gang setzen.

Eine Odyssee durch Krankheit und Armut

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Haus, Familie, Karriere – Stefan Bamberger aus Obersiggenthal führte ein erfülltes Leben. Bis er dem Tod ins Auge blickte.

«Ich bin ein kreativer Mensch, der immer eine Lösung sucht und nicht aufgibt», beschreibt sich Stefan Bamberger. Er ist 62 Jahre alt und lebt in Obersiggenthal. Seine Resilienz und sein Durchhaltewille wurden in den letzten Jahren mehrfach auf die Probe gestellt. Heute träumt er davon, ein Buch zu veröffentlichen und ein Beratungsangebot ins Leben zu rufen – doch ihm fehlt das nötige Geld. Wie es dazu kam: Der Beginn seiner Odyssee reicht zurück in die frühen 2010er-Jahre. Der ausgebildete Primarlehrer war damals als Ausbildner bei einer Grossbank tätig und lebte mit seiner Frau und den sechs Kindern im eigenen Haus. 2011 folgte die Scheidung. Das gemeinsame Sorgerecht und das Haus wurden seiner Ex-Frau zugesprochen. Rund zwei Wochen später folgte der nächste Schicksalsschlag: Speiseröhren- und Magenkrebs. «Als der Arzt die Diagnose stellte, sagte ich mir selbst: Das kann es mit mir noch nicht gewesen sein», erinnert sich Bamberger. Hätte man den Krebs später diagnostiziert, hätte es ihm zufolge zu spät sein können, um noch etwas zu unternehmen. Es folgten mehrere Chemotherapien und komplizierte Operationen. Zwischen Schulden und Ambitionen Die Scheidung und dann die Krankheit trieben ihn in die Schulden, da er einen Teil der Alimente und der Rechnungen nicht bezahlen konnte. Etwa ein Jahr lang war Bamberger krankgeschrieben. Danach konnte er nicht mehr wie gehabt Nahrung zu sich nehmen – ihm fehlt ein grosser Teil des Magens. Statt normaler Portionsgrössen war es ihm nur noch möglich, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen. Trotzdem versuchte er, wieder Fuss im Arbeitsalltag zu fassen. «Ich habe meine Arbeit immer sehr gerne gemacht», so Bamberger. So wie früher war es jedoch nicht mehr, erinnert er sich: «Ich hatte so wenig Energie. Mehrere Tage am Stück zu arbeiten, war kaum möglich.» Trotz aller Bemühungen gelang es ihm nicht, die angehäuften Schulden zu begleichen. In der Folge wurde sein Lohn gepfändet – ihm blieb nur noch das Existenzminimum, der Rest ging ans Betreibungsamt. Kurz darauf verlor er seinen Arbeitsplatz und rutschte endgültig in die Armut ab. Damit ist er jedoch kein Einzelfall: Laut dem Bundesamt für Statistik waren im Jahr 2023 rund 8,1 Prozent der Bevölkerung von Einkommensarmut betroffen. Das entspricht etwa 708’000 Personen. 16,1 Prozent, also mehr als jede sechste Person, waren im selben Zeitraum armutsgefährdet. Wie Bamberger sagt, tat er alles in seiner Macht Stehende, um wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Er schrieb eine Bewerbung nach der anderen – nicht nur für ähnliche Stellen im Bankenbereich, sondern auch für Jobs im Detailhandel, etwa zum Regaleauffüllen oder für Reinigungsarbeiten. «Insgesamt waren es über 500», sagt Bamberger – ohne Erfolg. Mal war es sein Alter, mal die Schulden, mal das fehlende Diplom, die Krankheit oder eine angebliche Überqualifikation. Kampf gegen Bürokratie Eine herbe Enttäuschung für den Arbeitssuchenden: «Ich rutschte dadurch in eine schwere Depression und musste sogar in eine Klinik.» Ein Teil der Gesellschaft zu sein und seinen Beitrag zu leisten, sei für Bamberger immer sehr wichtig gewesen. Sich wertlos und ausgegliedert vorzukommen, sei ein schlimmes Gefühl. Als er dann nach zwei Jahren keine Arbeitslosenunterstützung mehr bekam, wurde er zum Sozialfall: Knapp 2000 Franken für Wohnung, Krankenkasse und Grundbedarf. Nach seiner Kündigung beantragte er bei der Invalidenversicherung (IV) Unterstützung für eine Wiedereingliederung. Bamberger spricht von einem komplizierten Verfahren mit grossem bürokratischem Aufwand, das bis heute nicht abgeschlossen ist. «Das zehrt sehr an meinen Kräften.» Vor rund zwei Jahren entschied dann die IV, dass ihm eine Rente zustehe, da er nicht mehr in den Arbeitsmarkt integriert werden könne. Seither erhält er rund 2200 Franken pro Monat. Obschon Stefan Bamberger versucht, positiv zu denken, hat sich sein Blick auf die Gesellschaft über die Jahre in gewissen Belangen verändert. «Man fällt sehr schnell aus dem System. Wieder hineinzukommen, ist unglaublich schwierig», sagt der 62-Jährige. Das würden seiner Meinung nach viele Menschen nicht erkennen. Vielerorts herrsche noch immer das Klischee, dass Menschen in einer Situation wie seiner selbst schuld an ihrem Schicksal seien. Sätze wie «Es hat ja genug Arbeit für alle» habe er schon unzählige Male gehört. Neue Perspektiven schaffen Manchmal sei es schwierig, nicht zu resignieren. «Eigentlich könnte ich ja einfach hier sitzen und mein Leben mit dem bisschen, was ich habe, so gut wie möglich geniessen. Mit dem bin ich aber nicht zufrieden», betont er. Trotz der Rückschläge gibt er sich Mühe, neue Perspektiven zu entwickeln. Seine Erfahrungen möchte er auch anderen Menschen zugänglich machen, die in einer ähnlichen Situation wie er stecken. Im Zuge dessen arbeitet er gegenwärtig an einem Buch, das Themen wie Resilienz, Würde und Wahrheit behandelt. Ausserdem will er ein niederschwelliges Hilfsangebot für Menschen in vergleichbaren Situationen realisieren. «Ich habe in den letzten Jahren so viel erlebt und auf der Arbeit jahrelang Seminare gehalten. Dadurch denke ich, dass ich vielen helfen kann.» Das alles aber immer nur so weit, wie es seine Gesundheit überhaupt zulässt. Momentan kann er jedoch nicht so viel daran arbeiten, wie er gerne möchte. Ihn plagen grosse Sorgen: Ende Monat muss er seine Einzimmerwohnung wegen Eigenbedarfs verlassen. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltet sich schwierig. Die meisten Wohnungen kann er sich nicht leisten. Hinzu kommt, dass sich wenige Vermieter für einen IV-Bezüger mit Betreibungen interessieren. Auf der Spendenplattform Crowdify hat er ein Crowdfunding gestartet, das noch bis Ende Monat läuft. Mit dem Erlös will er einen Teil der Umzugskosten decken, eine kleine Notfallreserve für Miete, Essen und Therapietermine schaffen – und in seine beiden Projekte investieren. Die Ferne ruft Manchmal will Stefan Bamberger seine Sorgen und Verzweiflung eine Weile vergessen. In solchen Momenten setzt er sich vor den Computer und bucht sich eine Reise ans Meer. Fast zumindest. Sobald es zur Bezahlung kommt, bricht er die Buchung ab. «Das hilft mir, mich abzulenken.» Zu gerne würde er in Zukunft den Zahlungsvorgang abschliessen und wirklich ans Meer reisen – seinem grossen Traum entgegen. Die Wärme würde nicht nur seinem Körper, der aufgrund der vielen Operationen vernarbt ist, sondern auch seiner Seele guttun. Ob und wann das möglich sein wird, bleibt ungewiss. Doch eines steht für ihn fest: Seinen Traum wird er nicht beerdigen. «Ich bin ein kreativer Mensch, der immer nach einer Lösung sucht und niemals aufgibt.»

Zivilcourage: Wir alle sind gefragt

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Nicht Helden verändern Situationen, sondern Menschen, die hinschauen.

Unterwegs im Tram zwischen Reinach und Basel, eigentlich ins Scrollen vertieft, höre ich, wie sich ein Mann zwei Sitzreihen hinter mir zu einer jungen Frau setzt und sie offensichtlich aus dem Nichts anfängt zu belästigen. «Sie sehe richtig geil aus», sagt er und fragt sie mehrfach nach ihrer Handynummer und ob sie sich mit ihm treffen wolle. Sie sagt mindestens fünfmal «Nein!» – und doch reagiert niemand, obwohl das Tram gut gefüllt ist. Schockierend. Die Menschen schauen weg oder vertiefen sich in ihre Smartphones. Da niemand eine Reaktion zeigt, stehe ich auf, gehe nach hinten und frage ihn: «Hast du gehört, dass sie Nein gesagt hat?» Zuerst behauptet er, es gehe mich nichts an. Doch nur wenige Sätze später wechselt er seinen Platz und lässt die Frau in Ruhe. Die Situation ist entschärft, die junge Frau geschützt. Ein kleiner Eingriff meinerseits – für sie eine grosse Hilfe. Hinschauen macht den Unterschied Was ich getan habe, ist keine Heldentat. Andere Fahrgäste hätten bereits früher reagieren können. Entscheidend ist nicht der Mut, sondern das Hinschauen. Denn Wegsehen macht solche Situationen erst möglich. Wir alle würden uns wünschen, dass jemand für uns oder unsere Liebsten einsteht, wenn Grenzen überschritten werden. Zivilcourage beginnt genau dort: in der bewussten Entscheidung, nicht wegzuschauen. Dabei muss sich niemand selbst in Gefahr bringen. Indem man Mitfahrende aufmerksam macht oder Sicherheitspersonal und Polizei informiert, kann man helfen – ohne sich selbst zu exponieren. Wegsehen ist einfach. Handeln ist richtig.

Zwei Jahre nach Urteil wegen tödlichem Unfall: Beide Fahrer fordern Freispruch

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Der Unfall, der sich vor bald zehn Jahren ereignete, beschäftigt seither die Baselbieter Justiz. Mit der Berufung beider Fahrer ging der Fall in die nächste Runde.

Der Fall des mysteriösen Verkehrsunfalls, der sich vor neun Jahren auf der A18 bei Reinach ereignete, ging am Donnerstag in die nächste Runde. Das, obwohl er eigentlich schon seit Jahren hätte abgeschlossen sein sollen. Rückblick: Ein heute 42-jähriger Baselbieter war am 7. Oktober 2016 um 5 Uhr morgens mit seinem BMW auf der nahezu leeren und trockenen A18 in Richtung Delémont unterwegs. Auf Höhe Reinach fuhr er mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit und benutzte zum Überholen die linke Fahrspur. Dort befand sich jedoch ein VW Golf, der zum Unfallzeitpunkt stand oder nur sehr langsam fuhr. Folglich prallte der BMW ungebremst auf das Fahrzeug. Im Golf sassen drei Männer aus dem benachbarten Deutschland: Einer von ihnen kam noch an der Unfallstelle ums Leben, zwei weitere wurden verletzt, darunter der heute 38-jährige Fahrer. Der BMW-Lenker erlitt lediglich leichte Verletzungen. Mehrere Jahre bis zur Verhandlung Der Fall gehört zu den komplexeren seiner Art im Baselbiet. Bis heute ist beispielsweise nicht vollständig geklärt, weshalb der Golf, dessen Fahrer angab, sich nicht erinnern zu können, auf der Überholspur stehen blieb und weshalb der BMW-Fahrer trotz der rund 400 Meter Sichtweite nicht auswich oder bremste. Höchstgeschwindigkeit wurde auf der A18 zwischen Aesch und Angenstein reduziert In den letzten Jahren kam es auf der Strecke Aesch-Angenstein zu mehreren, schweren Unfällen. Teils mit Todesfolge. Das trotz verschiedener Massnahmen wie Sperrflächen, Überholverbot und doppelter Sicherheitslinie mit Rüttelmarkierung. Das Bundesamt für Strassen (Astra) senkt daher die Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde, um die Sicherheit zu erhöhen. Zusätzlich wurden Warnzeichen angebracht, die ein Überfahren der Sicherheitslinie verhindern. Die neue Signalisation, die Baken und kleinere Belagsausbesserungen, wurden Ende Oktober dieses Jahres errichtet. Bis der Fall vor dem Baselbieter Strafgericht landete, dauerte es mehr als sieben Jahre. Im November 2023 wurden die beiden Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt. Damit hätte der Fall eigentlich abgeschlossen sein sollen, doch beide Angeklagten waren mit dem Urteil nicht zufrieden und legten Berufung ein. Durch diese wollten sie einen Freispruch erreichen. Am Montag versuchten die beschuldigten Fahrer im Rahmen der Parteiverhandlung vor dem Baselbieter Kantonsgericht geltend zu machen, die zur Urteilsfällung beigezogenen Gutachten seien fehlerhaft und daher nicht verwertbar. Erfolglos. Das Gericht wies diese Einwände zurück. Gerichtspräsident Dieter Eglin erklärte an der Urteilseröffnung am Donnerstag, dass die Gutachten sowohl sachlich korrekt als auch vollständig seien und somit den qualitativen Vorgaben entsprechen. «Unverdientes Glück» dank der Behörden Dennoch wurden die Berufungen teilweise gutgeheissen. Für die Beschuldigten ändert sich jedoch praktisch nichts. Nur ein kleiner, fälschlicherweise angerechneter Teil der Verfahrenskosten wurde gestrichen. Die Schuldsprüche und die verhängten Strafen bleiben somit bestehen. Gerichtspräsident Eglin kommentierte: «Sie haben unverdientes Glück.» Er führte dies hauptsächlich auf die Behörden zurück, die den Fall im Vorfeld bearbeitet hatten. Der Fall kam nämlich während des Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft immer wieder vollständig zum Stillstand und wurde insgesamt fünf Jahre lang nicht weiterverfolgt. Eglin, der betont, mit Kritik an anderen Behörden Zurückhaltung zu üben, fand am Donnerstag klare Worte: «Was sich hier in zeitlicher Hinsicht ereignet hat, ist inakzeptabel.» Es ist bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Baselland viel zu tun hat. Die Behörde vermeldete Anfangs 2025, dass seit Jahren eine Tendenz zu ansteigenden Fallzahlen bemerkbar sei. Das vergangene Jahr ist ein Manifest. Es gingen insgesamt 37'334 neue Fälle ein – 9'835 mehr als noch 2023. Bei den Erledigungen könne die Behörde mit den Neueingängen nicht ganz Schritt halten: Per Ende des Berichtsjahres konnte sie 33'972 Fälle abschliessen. Ob zu viele andere Fälle und eine falsche Priorisierung dazu beigetragen haben, dass der konkrete Fall nicht schneller vorangetrieben wurde, ist unklar. Dass es erst sieben Jahre nach dem Unfall zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Strafgericht kam, hatte jedoch einen Einfluss bei der Festlegung des Strafmasses vor zwei Jahren - das Beschleunigungsgebot verlangt, dass ein Verfahren so schnell wie möglich durchgeführt wird, ohne unnötige Verzögerungen. Aufgrund der langen Verfahrensdauer wurden die Strafen um 50 Prozent reduziert. Freiheitsstrafen wären angemessen Die Dreierkammer des Kantonsgerichts war sich einig, dass die vom Strafgericht für beide Angeklagten ausgesprochenen bedingten Geldstrafen von 120 Tagessätzen in keinem Verhältnis zu ähnlichen Fällen stehen. Man müsse sich stets vor Augen führen, welches Leid ein tödlicher Verkehrsunfall bei den Hinterbliebenen verursacht. Der Mann, der bei dem Unfall ums Leben kam, war damals 35 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier kleiner Kinder. «Dieses unerträglich milde Strafmass ist eine Ohrfeige für die Angehörigen des Verstorbenen», bilanzierte Eglin. Er führte aus, dass aus Sicht des Kantonsgerichts eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen für den Lenker des BMWs und eine Freiheitsstrafe von 17 Monaten für den Lenker des Golfs angemessen wären. Weil es jedoch die Staatsanwaltschaft unterlassen hat, gegen das Urteil des Strafgerichts ein Rechtsmittel einzulegen, darf das Kantonsgericht die vom Strafgericht verhängten Sanktionen nicht erhöhen – selbst wenn es sie wie im vorstehenden Fall als unhaltbar tief qualifiziert. Nach fast einem Jahrzehnt, zahlreichen offenen Fragen zum Unfallhergang und dem Handeln der Behörden, findet einer der rätselhafteren Fälle der Region sein Ende – zumindest vor Gericht. Juristisch ist der Fall nun abgeschlossen.

Wie die Ikea das Grüssen-Areal vorantrieb

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Das schwedische Möbelhaus jubiliert dieses Wochenende zum 25. Mal. Dabei hat es nicht nur Einrichtungsstücke verkauft, sondern auch Pratteln auf die Landkarte gesetzt.

Dienstagabend, Pratteln. Der Herbst hat Einzug gehalten – die Temperaturen sind unter die 15-Grad-Grenze gesunken und ins Gesicht tröpfelt ein feiner Nieselregen. Das Wetter schreit nach einem gemütlichen Abend zu Hause im Warmen. Doch wo man auch hinschaut, sieht man Menschen. Sie gehen einkaufen oder kommen gerade aus einem Geschäft zurück. Von Elektronik über das neueste Schuhwerk bis hin zu diversen Möbelstücken gibt es kaum etwas, das es hier nicht zu kaufen gibt. Ein Geschäft reiht sich ans andere, ein Kunde nach dem anderen belädt den Kofferraum mit Einkaufstüten und Paketen – die Shopping-Lust auf dem Grüssen-Areal ist grösser als der Wetter-Frust. Manch ein «Meilenstein» wurde hier gekauft – das Bett für die erste eigene Wohnung, das erste Smartphone, oder auch einfach die Lieblingsschuhe. «Pratteln hatte früher entweder einen eher schlechten Ruf, oder man kannte es gar nicht», sagt eine Besucherin. Andere Passanten äussern sich ähnlich. Heutzutage, so scheint es zumindest, assoziieren viele Auswärtige Pratteln entweder mit dem Aqua Basilea oder mit der wohl prominentesten Shopping-Adresse des Grüssen-Areals – der Ikea. Das war nicht immer so. Hans-Georg Bächtold war von 1998 bis 2008 als Baselbieter Kantonsplaner tätig und erinnert sich noch gut daran, wie das Areal zu Beginn seiner Amtszeit aussah. «Es gab viele Leerflächen, und es war kein besonders schöner Anblick.» Mit der Ansiedlung des schwedischen Möbelhauses vor einem Vierteljahrhundert gewann die Transformation vom alten Industriegebiet zur modernen Einkaufsmeile an Schwung. Es kommt Leben ins Areal Nach den Filialen in Spreitenbach (AG), Aubonne (VD), Grancia (TI), Lyssach (BE) und Dietlikon (ZH), war Pratteln der sechste Standort, an dem der schwedische Möbelriese in der Schweiz Einzug hielt. Wie alten Zeitungsberichten zu entnehmen ist, wurde damals mit einem grossen Ansturm gerechnet. In den Tagen der Eröffnung wurden täglich rund 6000 Besuchende erwartet, berichtete etwa die «Basler Zeitung». Auf den 30. August wurde zudem die direkte Verbindung zwischen der Salinenstrasse und dem Grüssenweg eröffnet, was eine direkte Zufahrt zur Autobahnausfahrt Pratteln ermöglichte. Die Baselbieter Polizei ging im Vorfeld von «erheblichen Behinderungen und Staus» aus. In einem Schreiben warnte sie gar: «Sollte sich der Verkehr in den Spitzenzeiten bis auf die Autobahn A2 zurückstauen, behält sich die Polizei vor, die Ausfahrt Pratteln aus Gründen der Verkehrssicherheit zu sperren.» Bereits vor der offiziellen Eröffnung «campierten» einige Hartgesottene vor dem Eingang der Filiale, ähnlich, wie es im Vorfeld von grossen Konzerten üblich ist, nur dass die Ikea in diesem Fall extra neben dem Eingang eine Freiluftwohnung eingerichtet hatte. Der Grund dafür war die Eröffnungsaktion des Möbelhauses: Die ersten zehn Personen, die am Mittwoch zur Ladeneröffnung erscheinen, erhielten einen Gutschein im Wert von 2000 Franken. Schätzungen zufolge besuchten rund 12'000 Menschen die Filiale an ihrem ersten Tag. Zu den erwarteten Verkehrsüberlastungen, wie von den Ordnungshütern erwartet, kam es zumindest am Eröffnungstag nicht. Viele Besuchende hätten den Shuttle-Bus ab dem Bahnhof für die Anreise genutzt. Am Standort Pratteln teilt Ikea mit, dass während des 25-jährigen Bestehens so viele Kissen verkauft wurden, dass damit jeder Einwohner beider Basel ausgestattet werden könnte. Welche Produkte besonders gefragt waren, verrät das Unternehmen aus dem hohen Norden nicht. Die Eröffnung der Ikea-Filiale fiel laut Bächtold in die zweite Welle der Grossanlagen: Wenige Kilometer stadtwärts wurde knapp ein Jahr später das St. Jakob-Park Shopping-Center eröffnet. Aus raumplanerischer Sicht sei man im Kanton Baselland jedoch schlecht vorbereitet gewesen. «Es gab noch keinen kantonalen Richtplan und auch die Abstimmung mit dem Umweltschutz war nicht ausgereift», sagt Bächtold. Dies habe zu weiterführenden Erkenntnissen geführt. So habe der Kanton bei der späteren Planung des Gebiets Salina Raurica die Federführung übernommen, um die verschiedenen Interessen besser zu koordinieren. Die Vorteile und Nachteile des Standorts Pratteln ist aus Basel in unter 20 Minuten zu erreichen und auch Grenzgänger aus Deutschland müssen keine langen Wege auf sich nehmen. Wer die Ikea besuchen will, muss nur die Autobahnausfahrt verlassen und schon ist man da. Vom Bahnhof her ist das Möbelhaus, sowie die anderen Geschäfte auf dem Grüssen-Areal innert zehn Minuten zu Fuss oder mit dem Öffentlichen Verkehr zu erreichen - die Attraktivität des Standorts ist sowohl für das Einkaufen als auch zum Arbeiten unbestritten. Davon profitiert auch die Gemeinde. «Pratteln hat ungefähr gleich viele Einwohner wie Arbeitsplätze», sagt Gemeinderat Philipp Schoch (UP). Klar ist auch: Die rentierenden Geschäfte stellen eine lukrative Steuereinnahmequelle für die Gemeinde dar. Ein bekannter Nachteil, der die gute Lage mit sich bringt, ist der Verkehr, der dadurch verursacht wird. Auch eine 2022 von der Hochschule Luzern publizierte Gewerbeanalyse kommt zu diesem Schluss. Untersucht wurde, wie ein bestehendes Geweberaumpotenzial in einer Gemeinde erfasst und im Rahmen einer gezielten Gewerbepolitik besser genutzt werden kann. Bei der Einschätzung zu den Quartieren in der Kategorie Defizite heisst beim Grüssen-Areal unter anderem: «Regelmässige Verkehrsüberlastungen» oder «öffentlicher Verkehr und Velowege könnten besser sein.» In Bezug auf das Bauliche heisst es zudem, es bestehe «keine Möglichkeit, Gebäude zu vergrössern». Das deckt sich auch mit dem Fazit von Hans-Georg Bächtold, wenn er in die Vergangenheit zurückblickt. «Die Bauten und auch der Freiraum, die dort entstanden sind, genügen nicht den Ansprüchen einer hohen Baukultur», erklärt der ehemalige Kantonsplaner. Auch in anderen Bereichen mangelhaft Gerade was das Verkehrsaufkommen, Umwelt und Aufenthaltsqualität anbelangt, hat es in den letzten 25 Jahren immer wieder Diskussionen und Kontroversen gegeben. Ein bekanntes Beispiel dürfte das juristische Seilziehen zwischen der Ikea und dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) beider Basel sein. In den 2000er Jahren wollte die Ikea neben ihrem Möbelhaus ein weiteres Gebäude mit Büro- und Verkaufsflächen bauen. Wie diese Zeitung damals berichtete, gab es zudem Pläne zur Erschliessung einer Tramlinie. Gleichzeitig hätte jedoch auch das bestehende Parkhaus mit dem neuen Bau verbunden werden sollen. Der VCS monierte, dass das neue Geschäftshaus einer Erweiterung des bestehenden Angebots gleichkomme und deshalb eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung nötig sei. Das Gewerbegebiet in Pratteln sei bereits stark belastet, argumentierten die Kritiker des VCS und reichten eine Beschwerde ein. Nachdem sie erstinstanzlich abblitzten, zogen sie die Angelegenheit an das Kantonsgericht weiter. Dort wiederum wies das Kantonsgericht das Unternehmen an, eine umfassende UVP durchzuführen, weil ein funktionaler Zusammenhang zum benachbarten Möbelhaus bestehe, wie diese Zeitung damals festhielt. Nachdem das Baselbieter Bauinspektorat die Beschwerde gegen das Gebäude zurückgewiesen hatte, verzichtete der VCS darauf, seine Beschwerde weiterzuziehen. Die Tatsache, dass der Möbelriese sein Projekt redimensioniert hatte und es schliesslich als reines Bürogebäude ohne Verkaufsfläche deklarierte, dürfte unter anderem ein Grund dafür gewesen sein. Gegenüber dem ursprünglichen Projekt hatte Ikea die Bruttogeschossfläche von 17'590 auf 7'450 Quadratmeter und die Zahl der Parkplätze von 390 auf 209 reduziert. Im ähnlichen Zeitraum musste auch Media Markt, der auf dem Areal ansässig ist, aufgrund eines Bauvorhabens vor Gericht antraben – in diesem Fall bis vor das Bundesgericht. Zu hohe Hürden stellten die raumplanerischen Schwierigkeiten und der VCS für die Genossenschaft Migros Basel dar. Vor rund zwei Jahren gab sie ihre Pläne für einen Obi-Fachmarkt auf – obwohl sie fast 20 Jahre lang die Unterstützung der Gemeinde genossen hatte. Eine Schar an Möbelhäusern Trotz der manchmal schwierigen Verhältnisse scheint sich das Grüssen-Areal in einen Tummelplatz der Möbelhäuser geworden zu sein. Jysk, Conforama, Pfister und Livique (früher Toptip) und Konsorten sind wenige Gehminuten voneinander entfernt. Viele sind sich einig, dass Ikea in diesen Jahren als Magnet wirkte und dadurch für spürbare Konkurrenz am Standort sorgte. Ob diese Konkurrenz als Nachteil oder Vorteil gesehen wird – oder vielleicht sogar von Anfang an so gewollt war – bleibt auf Anfrage unklar. Ebenso unbeantwortet bleiben die Fragen, was Ikea ursprünglich vom Standort Pratteln überzeugte, wo das Unternehmen die wichtigsten Meilensteine der letzten 25 Jahre sieht und wie es in die Zukunft blickt. Man lässt lediglich verlauten, dass es für Ikea zentral sei, sich auf das zu konzentrieren, was das Unternehmen von der Konkurrenz unterscheidet. Das scheint immerhin zu funktionieren.

Der erste Schock kam, als Elias nicht selbstständig atmete

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Die seltene Krankheit ihres vierjährigen Sohnes veränderte das Leben einer Wohlenschwiler Familie. Wie sie im Alltag damit umgeht.

Der vierjährige Elias liegt in einem durch die Eltern gebauten Gitterbett und hält ein Spielzeug in seiner Hand. Sein Vater Florian Köppel, der als Fachspezialist Waldbau/Jungwaldpflege beim Kanton Aargau arbeitet, wechselt ihm derweilen die Windeln und zieht ihm anschliessend sein Korsett an. Elias’ zweijähriger Bruder Luan hält sich zu Beginn eher im Hintergrund. «Er muss zuerst etwas auftauen», sagt seine Mutter Yvonne Spreuer, die im Wohlenschwiler Gemeinderat ist. Das scheint er bald zu tun. Am Esstisch zeigt Luan ein Fotobuch von der Hausrenovation. Er zeigt auf ein Bild seiner schwangeren Mutter und sagt: «Mami.» Spreuer antwortet: «Das war kurz vor der Geburt von Elias.» Das einzig Auffällige, das die Ärzte feststellen konnten, war, dass Elias kurz vor der Geburt sehr klein war. Der erste Schock kam, als Elias nach der Geburt nicht selbstständig atmete. Man stellte weitere Auffälligkeiten fest, wie den zurückgesetzten Unterkiefer, verschiedene Fehlstellungen am Körper sowie die fehlende Körperspannung. Die Ursache konnte erst nach genetischen Untersuchungen ermittelt werden. Etwa acht Wochen nach der Geburt konnte schliesslich die Diagnose gestellt werden: Elias hat das Bainbridge-Ropers-Syndrom. Wenige 100 Menschen haben das Syndrom Vom Bainbridge-Ropers-Syndrom hatten die Eltern vorher noch nie gehört. Wie viele Menschen daran erkrankt sind, ist schwierig zu sagen. Verschiedene Quellen berichten von wenigen 100 Menschen weltweit. «Selbst ein grosser Teil des medizinischen Personals hat noch nie davon gehört», sagt Köppel. Die Eltern hätten zwar die Möglichkeit, mit einer Familie Kontakt aufzunehmen, die ein älteres Kind mit derselben Erkrankung hat. Bisher haben sie sich aber bewusst dagegen entschieden. «Aus Angst», begründen die Eltern. Weil sich Elias immer noch entwickelt und sich die Erkrankung mit den Jahren zunehmend manifestiert, wollen sie sich lieber an den aktuellen Fortschritten freuen, statt zu sehen, wie es ihm mit 16 Jahren gehen könnte. Denn die Spannweite der Erkrankung sei sehr gross. Elias kann weder sprechen, sitzen noch gehen und wird dauerhaft künstlich durch eine Sonde ernährt. Kommunizieren tut er vor allem durch seine Mimik, wie seine Eltern erklären. Der bald Fünfjährige besucht an drei Halbtagen in der Woche den heilpädagogischen Kindergarten in Wettingen und verbringt die Wochenenden jeweils im Kinderhaus Weidmatt im luzernischen Wolhusen. Für die Eltern eine grosse Entlastung. Im Dezember 2023 wurde die Kinder-Spitex in der Nacht gestrichen, da sich der Gesundheitszustand infolge der aufwendigen CPAP-Therapie (nicht invasive Beatmung in der Nacht) stark verbessert hatte. Obwohl es Elias besser ging, seien die Nächte für die Eltern nicht einfacher geworden. Die ständigen Interventionen in der Nacht seien weiterhin notwendig und Schlafen im eigentlichen Sinne unmöglich. «Wir mussten eine Lösung finden, weil wenn man jede Nacht fünf- bis sechsmal aufstehen muss und dazu noch arbeitet, funktioniert das einfach nicht auf Dauer», sagt Köppel. Obschon beide Eltern mehrfach betonen, dass sie froh über die Unterstützung der Invalidenversicherung sind, berichten sie von regelmässigen, aufwendigen und kräftezehrenden Prozessen – vor allem, wenn es darum geht, welche Leistungen Elias zustehen und welche nicht. Durch die seltene genetische Erkrankung, an der Elias leidet, fällt er seinen Eltern zufolge durch die gängigen Raster. «Wir sind sogar schon fünf Mal vor Gericht gegangen», sagt Spreuer. Aktuell beschäftigen sich die Eltern mit einer Anschlusslösung. Denn das Kinderhaus Weidmatt sei nur für Kinder bis zu vier Jahren. Eine Optimalvorstellung aus Sicht der Eltern wäre, wenn Elias in einer Institution die Schule besuchen und dort gleich zwei bis drei Nächte pro Woche übernachten könnte. Für die Eltern ist es unvorstellbar, dass er in diesem jungen Alter bereits fünf Tage in einer Stiftung lebt. Ein gewisser Ablöseprozess müsse aber stattfinden. «Wenn wir Eltern ausgebrannt sind, nützen wir Elias am wenigsten.» Sinnbildlich für das Leben mit einem Kind mit einer seltenen Erkrankung: «Jedes Mal, wenn man denkt, man hat eine Lösung, kommt das nächste Problem und man muss sich neu organisieren», sagt Köppel abschliessend.

Die Zukunft des FC Freienwil ist offen

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Nach 12 Jahren als Präsident möchte Ivan Gattlen den Verein weitergeben. Nachfolger zu finden, ist schwierig.

Der FC Freienwil ist ein kleiner Fussballclub in der kleinsten Gemeinde des Bezirks Baden. Klein ist auch die Grösse der Spieler und des Spielfelds. Da der Rasen nicht über die nötigen Masse verfügt, können nur Kinder bis zu 13 Jahren im Verein spielen. Aktuell verfügt der Verein über sechs Mannschaften auf verschiedenen Juniorenstufen. Gegründet wurde der FC Freienwil 2013 auf Initiative des gebürtigen Wallisers Ivan Gattlen, der einige Jahre zuvor mit seiner Familie in die Gemeinde zog und feststellte, dass Freienwil zwar einen Fussballplatz, aber keinen Verein hat. «Es ging um die Identifikation mit dem Dorf und um das Vereinsleben», sagte er vor zwei Jahren, als der FC Freienwil sein zehnjähriges Bestehen feierte. Von Beginn an amtet Gattlen als Vereinspräsident und steht zusätzlich als Trainer an der Seitenlinie der G-Junioren-Mannschaft, in der die jüngsten Kicker des Vereins spielen. In seiner Zeit als Vereinspräsident hat er vieles miterlebt. Besonders freut er sich darüber, dass Kinder aus dem Gründungsjahr 2013 heute als Trainer zum Verein zurückkehren. Doch es gibt auch Sorgen: Damit der FC Freienwil eine Zukunft hat, braucht es mehr Funktionäre und Unterstützung, um die anfallenden Aufgaben besser zu verteilen. «Im Vorstand sind wir aktuell drei Personen. Ideal wären sieben bis acht», erklärt Gattlen. Den administrativen Aufwand mit so wenig Personen zu bewältigen, sei eine grosse Herausforderung. Besonders die Phase nach den Sommerferien, wenn neue Spieler in den Verein eintreten, sei jeweils sehr zeitintensiv und mit viel Aufwand verbunden. 12 Jahre sind genug Alle neuen Spieler benötigen einen Spielerpass und müssen beim Fussballverband angemeldet werden. Hinzu kommen Aufgaben wie die Mannschaftsplanung, das Führen der Warteliste sowie Besprechungen mit dem Trainerstaff. Weitere Zeit erfordern die Projektleitungsaufgaben im Zusammenhang mit der baulichen Neuentwicklung gemeinsam mit der Gemeinde, die Kommunikation mit den Eltern der Kinder und die Planung von Events – alles Aufgaben, die der aktuelle Präsident nicht länger übernehmen möchte. «Es wird Zeit, den Verein weiterzugeben», sagt Gattlen, der das Amt ursprünglich nur rund fünf Jahre lang ausüben wollte. Bereits im vergangenen Jahr hat Gattlen die Eltern der rund 80 Kinder im Verein darüber informiert, dass der FC Freienwil einen neuen Vorstand sucht. Die erhoffte Resonanz blieb jedoch aus. Niemand war bereit, eine verbindliche Rolle im Vorstand zu übernehmen. Ein Problem, mit dem offenbar nicht nur der FC Freienwil konfrontiert ist. «Wenn ich mit Kollegen aus anderen Vereinen rede, höre ich oft das Gleiche. Leider ist es heute nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass man sich freiwillig in einem Verein engagiert», so Gattlen. Inzwischen wurde Gattlens Aufruf zusätzlich in den Freienwiler Gemeindemitteilungen veröffentlicht. Darin fordert er Ortsansässige, die sich vorstellen können, eine Funktion im Verein zu übernehmen, auf, sich bis Ende April bei ihm zu melden. Vereinsauflösung ist die Ultima Ratio Er findet klare Worte und betont ausserdem: «Finden sich keine neuen Vorstandsmitglieder, werde ich per Juni 2025 den Verein auflösen müssen.» Ein Szenario, auf das Gattlen liebend gerne verzichten würde. «Es wäre wirklich sehr schade, wenn es dieses Angebot nicht mehr geben würde. Die Kinder haben hier die Möglichkeit, regelmässig Sport zu treiben und vom Mannschaftssport für das ganze Leben zu lernen», sagt Gattlen. Seine Worte scheinen mittlerweile eine gewisse Wirkung gezeigt zu haben. «Es haben sich vor allem Eltern bei mir gemeldet und gesagt, dass sie es sehr schade fänden, wenn es in Zukunft keinen Fussballclub mehr in Freienwil geben würde», so der Vereinspräsident. Von einigen sei sogar die Rückmeldung gekommen, dass sie sich allenfalls vorstellen könnten, ein verbindliches Amt zu übernehmen. Nach Ostern folgt nun eine Sitzung, in der die neuen Aufgaben im Verein auf mehrere Schultern verteilt werden sollen. «Ich hoffe, der FC Freienwil bleibt bestehen. Ich empfehle jedem und vor allem den Neuzuzügern, sich in einem Verein zu engagieren und ihn mitzugestalten. Es gibt keine bessere Möglichkeit, sich im Dorf zu integrieren, aber man muss es auch wollen. Die Zeit ist sicher viel besser investiert, als sie vor dem Smartphone zu verbringen», sagt Gattlen weiter.

Stalking: Oberbaselbieter verfolgt Ex-Frau jahrelang

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Kontaktverbote, Urteile, Warnungen – nichts stoppte den Angeklagten. Nach über 100 dokumentierten Vorfällen steht der Mann nun vor Gericht.

Mehrfache Nötigung, Verleumdung sowie Verletzung des Geheim- und Privatbereichs: Das sind nur drei Punkte auf einer langen Anklageliste, der sich ein 81-jähriger Mann aus dem Oberbaselbiet am Montag und Dienstag vor dem Strafgericht in Muttenz stellen musste. Er soll seine Ex-Ehefrau Monika M.* sowie die drei gemeinsamen Söhne und die Freundin des Erstgeborenen über Jahre hinweg gestalkt und belästigt haben. Laut Anklageschrift der Baselbieter Staatsanwaltschaft reichten seine Handlungen von ungewollten Kontaktversuchen mit Bedrohungen und Beschimpfungen per Telefon, E-Mail und Brief über das Abpassen an öffentlichen Orten und das Ausspähen von Wohnräumen bis hin zum Anbringen von GPS-Trackern Auto seiner Ex-Frau. Mehrere Male folgte er ihr weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Etwa nach Aarau und Solothurn. Zudem sei der Beschuldigte überzeugt, seine Ex-Frau habe mit ihrem ältesten Sohn inzestuöse Handlungen begangen – eine Anschuldigung, die er öffentlich verbreitete. Dies, obwohl ihm ein Zivilkreisgericht bereits 2020 – ein Jahr nach der Trennung – unter Strafandrohung untersagt hatte, sich Monika M. auf weniger als 100 Meter zu nähern, Kontakt mit ihr aufzunehmen oder sie zu belästigen. Ähnliche Auflagen galten beziehungsweise gelten noch immer auch für die drei gemeinsamen Söhne sowie die Freundin des Ältesten. Allein zwischen September 2023 und Mai 2024 soll der Angeklagte 122 Mal gegen diese Anordnungen verstossen haben. Vor Gericht wurde jedoch deutlich, dass diese Verstösse nur die Spitze des Eisbergs waren: Was sich über die vergangenen Jahre abgespielt hatte, offenbarte sich erst nach und nach. Die erste grosse Liebe Vor Gericht sagte Monika M. aus, den Angeklagten im Alter von etwa 15 Jahren kennengelernt zu haben. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits Anfang 40. Trotz des Altersunterschieds fand sie Gefallen an dem Mann. «Er war ein Rosenkavalier und hat alles für mich getan.» Bereits zu dieser Zeit habe er jedoch Verhaltensmuster an den Tag gelegt, die nichts mit Liebe zu tun hatten. So habe er sich beispielsweise in einem Gebüsch versteckt und Monika M. heimlich beobachtet, als sie im Alter von 17 Jahren eine Hochzeit besuchte. Zu einer Beziehung kam es laut Anklageschrift als Monika M. 22 Jahre alt war. Als sie 38 war, heirateten sie. Während vieler Jahre arbeitete sie in der Autogarage ihres ehemaligen Gatten. Vor Gerichte sagte sie, je länger das Zusammenleben andauerte, umso mehr habe der Kontrollwahn sowie die Eifersucht des Angeklagten zugenommen. Aus Angst habe sie ihre Söhne ab dem neunten Altersjahr kaum noch berührt. Sie schilderte eine Situation, in der sie mit den beiden jüngsten Söhnen im Bett lag und ein Bilderbuch vorlas. Als sich der älteste Sohn dazulegen wollte, sei der Angeklagte wutentbrannt ins Zimmer gestürmt und habe gefragt, was dieser im Bett zu suchen habe. «Ich hatte grossen Respekt vor seiner Unberechenbarkeit», sagte die Geschädigte. Angst als steter Begleiter Ende der 1990er hatte sich der Angeklagte der mehrfach versuchten Tötung schuldig gemacht, als er mit einer Pistole auf eine andere Frau schoss. Viele Jahre später soll er den ältesten Sohn mit dem Auto eines Kollegen angefahren haben. Dabei war er mit dem Auto von Monika M. unterwegs, das er mit einem GPS-Tracker ortete. Ob es zu einer Verletzung kam, ist nicht belegt. Monika M. sowie ihr Sohn sagten beide, sie würden sich fürchten, dass der 81-Jährige erneut zu solchen Mitteln greift. Um lästige und bedrohliche Begegnungen zu vermeiden, habe Monika M. angefangen, ihren Tagesablauf zu ändern. So gehe sie beispielsweise immer andere Wege und halte sich nach der Dämmerung nicht mehr so oft im Freien auf. Zu gross sei die Angst. Zwei verschiedene Wahrnehmungen Vor Gericht gab sich der Angeklagte äusserlich ruhig. Er betonte, er bereue es, die Beziehung weitergeführt zu haben, nachdem er in den Anfangsjahren betrogen worden sei. Er gab an, weder seine damalige Frau noch seine Kinder je geschlagen oder belästigt zu haben. «Ich war immer ein vorbildlicher Vater», sagte er. Er argumentierte, dass mehrfache Begegnungen nach dem Kontaktverbot einvernehmlich oder zufällig gewesen seien. Er stritt es ausserdem nicht ab, GPS-Tracker am Auto seiner Ex montiert zu haben. Was sie vor Gericht erzählte, bezeichnete er als «Humbug». Gegen den Angeklagten steht neben einer Geldstrafe auch eine Freiheitsstrafe im Raum. Zudem hat das Gericht zu klären, wie hoch seine Schuldfähigkeit einzuschätzen ist. Aus einem Gutachten geht hervor, dass der Angeklagte mit einer «narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und psychopathischen Anteilen» lebt. Die Urteilseröffnung findet am Donnerstag statt. * Name der Redaktion bekannt

Eine Sammlung an multimedialen Schulprojekten

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🍛🍟 Glacé und Pommes waren gestern – kommt jetzt der Gourmet-Trend in unsere Badis? 😮 In der Badi Suhr gibt’s seit dieser Saison Thai-Food auf dem Teller, andere Freibäder ziehen mit hochwertigen Gerichten nach. «Das Ernährungsverhalten der Menschen hat sich grundlegend verändert», Sagt Steve Radam, Betriebsleiter der Badi Suhr.

👉 Was ist dein Lieblings-Badi-Snack? Verrate es uns in den Kommentaren! 🍦🍔🥢

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